Städte und Digitalisierung

Digitale Globalisierung trifft auf lokale Lebenswirlichkeit

Das Konzept der "smarten Stadt" ist die weltweit vorherrschende Strategie der digitalen Transformation auf lokaler Ebene. Sie stellt schon heute einen weltweit boomenden Geschäftszweig dar mit jährlichen Wachstumsraten von über 18 %, der sich in den nächsten 10 Jahren zu einem Billiardengeschäft entwickeln wird . Technologiekonzerne wie IBM, Cisco und SAP, entwickeln seit vielen Jahren Software für Städte und Kommunen, ihre Schilderungen der Vorteile der smarten Städte der Zukunft klingen wie Heilsversprechen von Wohlstand und Nachhaltigkeit. Dabei erfinden die Konzerne die Städte nicht neu, sondern verarbeiten und verknüpfen Daten aus Verwaltung, Verkehr, Energieversorgung usw. und versprechen eine effektivere Steuerung von Prozessen. Ob dies eine positive Wirkung auf die Lebensqualität der Städte hat, ist fraglich. 

Experten und urbane Aktivisten betonen die Risiken der einseitig technologisch motivierten, von Konzernen gesteuerten Digitalisierung. Zur Zeiten der klammen öffentlichen Kassen werden "Smart City"-Projekte in der Regel im Rahmen von ÖPP ("Öffentlich-Private Partnerschaft“) mit IT-Unternehmen realisiert. Sie können den datenhungrigen globalen Technologiekonzernen Zugang zu kommunalen Daten verschaffen und als Türöffner für die Privatisierung von öffentlicher Infrastruktur dienen. Wie der amerikanische Smart-City-Experte Anthony Townsend anmerkt, die Konzerne kommen, um zu bleiben: sie wollen längerfristig Kontrolle über die Steuerung der lokalen Infrastruktur, der Ampelsysteme, zum Beispiel, behalten. Auf diese Weise, warnt Townsend, wird es zum „Outsourcing des Gehirns der Stadt kommen, da Entscheidungen in verschiedenen Lebensbereichen nicht mehr in den Städten selbst getroffen werden.

 

Technologiekonzerne versuchen, pauschale Verfahren zu entwickeln und weltweit einheitliche Rezepte zu verkaufen, doch Städte sind keine Maschinen, sie bestehen nicht nur aus digital optimierbaren Austauschprozessen. Das städtische Leben ist multidimensional und vielfältig. Die Erfahrungen der letzten ca. zwei Jahrzehnte zeigen, dass es versciedene Wege gibt, digitale Städte zu bauen. 

 

»Für Stadtverwaltungen, Einwohnerinnen und Einwohner ist es an der Zeit, sich ein neues Vokabular anzueignen und einen neuen Begriffsapparat, mit dem sich ihr Verhältnis zu Technologien, Daten und Infrastrukturen neu denken lässt.«

 

 EVGENY MOROZOV, Internet-Philosoph, weltweit anerkannter Kritiker der Smart-City-Ideologie